Systempflege
Richtig eingerichtet bedarf ein Linux-System nur sehr wenig Pflege. Wie Sie das erreichen, wird in diesem Kapitel geklärt. Ebenfalls werden Reparatur-Maßnahmen behandelt.
Automatische Systempflege
Wichtig: Ein Linux-System „verschmutzt“ im Regelbetrieb kaum.
Regelmäßige Neustarts
Nicht mehr benötigte, temporäre Dateien sowie zu unrecht belegte Arbeitsressourcen könnten sich aber dennoch während des Betriebs nach und nach einschleichen. Meist entstehen solche Situation in Kombination mit nicht optimal programmierter Software (was wirklich schwierig ist), die auf dem System läuft. Um diesem vorzubeugen, wird ein täglicher Neustart des gesamten Systems empfohlen, wenn sich dies einrichten lässt.
Bei einem Neustart reinigt sich das System selber: Alle temporären Dateien im /tmp Ordner werden gelöscht und ungenutzer, dennoch belegter Arbeitsspeicher wird wieder freigegeben. Des weiteren wird nach einem Neustart garantiert die aktuellste, installierte Software genutzt. Nach einem größeren Update wurde zwar die auszuführende Datei ersetzt, aber besondes die systemkritische Software, die sich nicht ohne weiteres im laufenden Betrieb neustarten lässt, läuft bis zu einem Neustart in der alten Version weiter.
Zudem beugt ein regelmäßiger Neustart aller Komponenten seltenen Bugs vor, die sich vielleicht erst nach einigen, komplizierten, schwer reproduzierbaren Betriebsszuständen ergeben.
Ein einfacher cronjob (im Kapitel zum Skripting beschrieben) reicht hier aus. Anstatt den einzelnen Befehl reboot anzugeben,
wird empfohlen, den Pfad zur ausführbaren Datei anzugeben, der /sbin/reboot ist.
sudo crontab -e
0 4 * * 2 /sbin/reboot
Automatische Aktualisierungen
Ab und zu werden Sicherheitslücken im Betriebssystem und in der verwendeten Software bekannt. Um immer abgesichert zu sein, werden automatische Aktualisierungen unbedingt empfohlen.
sudo apt install unattended-upgrades apt-listchanges
sudo dpkg-reconfigure -plow unattended-upgrades
# Hier durch die Dialoge mit den Pfeiltasten, Tabulator und der Leer- oder Eingabetaste navigieren.
Nun wird unattended-upgrades in regelmäßigen Abständen vollautomatisch Aktualisierungen von Sicherheitskritischen Anwendungen machen.
Bemerkung
Möchten Sie Ihr Linux vollautomatisch komplett aktualisieren lassen (alle verfügbaren Aktualisierungen anwenden),
können Sie dies unter /etc/apt/apt.conf.d/50unattended-upgrades einstellen.
In vielen meiner Server-Konfigurationen macht dies aber auch ein cron job, welcher ein apt update && apt upgrade ausführt.
Backups
Da Datenverluste nie schön sind, möchte man im Notfall möchte man immer ein Backup bereit haben. Dabei gibt es viele verschiedene Wege, die zum Ziel führen.
rsync
Behandeln wir zunächst eine alte aber auch sehr weit verbreitete Konstante im Linux-Bereich. Rsync synchronisiert/spiegelt am Ende definierte Ordner und Dateien an einen anderen Ort. Falls Dateien an dem einen Ort kaputt gehen, kann man diese vom anderen Ort wiederherstellen. Die Vorteile von rsync sind, dass es relativ einfach einzurichten ist, sowie die Dateien in unveränderter Form (unkomprimiert) vorliegen. Es gibt beispielsweise ein ausführliches, funktionsreiches BASH-Skript und https://wiki.ubuntuusers.de/Skripte/Backup_mit_RSYNC/#Das-Skript
Der Nachteil an rsync ist meiner Ansicht nach die fehlende Komprimierung sowie kompliziertere Versionierung von Backups. Ebenfalls werden sehr große Dateien sehr ineffizient gesichert.
Um ein komplettes Verzeichnis an einen anderen Ort zu spiegeln reicht folgender Befehl:
- ::
sudo apt install rsync
rsync -rptgo /ort/der/zu/sicherenden/daten /backup/ort
# Aufschlüsselung des Befehls (von links nach rechts): # -r: Behandle den Ordner rekursiv (sichere alle Unterordner mit) # -p: Behalte die Rechte der Datei bei # -t: Behalte den Zeitstemepl der Datei bei # -g: Behalte die Gruppenrechte der Datei bei # -o: Behalte die Besitzrechte der Datei bei (nur wenn root der auszuführende Nutzer ist)
rsync hat weitere zahlreiche Optionen, die sich hier einsehen lassen: man rsync
borg
Borg ist extra für Backups gebaut worden: Es verschlüsselt, komprimiert und speichert verschiedene Versionsstände einer Datei sehr effizient ab. Dafür ist borg geringfügig komplizierter in der Handhabung.
- ::
sudo apt install borgbackup
# Erstelle ein Backup Borg Repository (in dem dann die Backups später gespeichert werden) sudo mkdir /backup sudo borg init /backup –encryption=none sudo borg init /backup –encryption=repokey # Alternativ für Verschlüsselung, nicht unbedingt empfohlen
# Backup erstellen DATE=`date +“%Y-%m-%d“` sudo borg create /backup/::$DATE /ordner1 /ordner1 –exclude-caches # Beliebig viele ordner möglich sudo borg create /backup/::$DATE /etc /home /opt /root /usr /var/www /var/lib /var/log –exclude-caches # Mein Standard-Befehl
# Später auf backup zugreifen sudo -i # Werde zum Administrator su - # Werde zum Administrator (Alternative, wenn sudo nicht installiert ist)
# Borg-Repository lesbar machen und einhängen borg mount /backup /mnt
# Nun kann pro erstellten Schnappschuss bequem in den Dateien herumgestöbert werden cd /mnt ls
# Am Ende nicht vergessen, das borg repository zu schließen/aushängen: borg umount /mnt
# Root-Status beenden exit
Borg funktioniert natürlich auch für normale Nutzer, dennoch macht dies in den Anwendungsfällen für Server wenig Sinn.
Tipp
Möchte man auf seinem privaten Computer grafisch Backups erledigen?
Installieren Sie das Programm Pika Backup oder Pika Datensicherung,
welches eine grafische Oberfläche für einfache Borg-Backups hat.
Ich selber nutze das Programm für meine Rechner.
Bemerkung
Sollten Sie keine externe Fesplatte haben empfehlen wir für Backups dringend eine. Sollte Ihre Festplatte im Computer kaputt gehen oder Ihr Computer beispielsweise einen Wasserschaden bekommen, sind Ihre Daten ohne externe Fesplatte häufig schon verloren.
Tipp
Sowohl borg als auch rsync haben ssh support. Somit können Backups automatisch über das Netzwerk verschickt werden. Eine Anleitung für das Borg-Backup System liegt in den Kurs-Unterlagen bei.
Fehlerbehebung
In diesem Kaptitel soll auf einige Möglichkeiten der Fehlerbehebung eingegangen werden.
Probleme in der Paketverwaltung
Hat man den Rechner während Aktualisierungen heruntergefahren helfen folgende Befehle:
sudo dpkg --configure -a
sudo apt install -f
Angenommen, das Paket chromium wurde nicht richtig installiert oder aktualisiert und es befindet sich in einem inkonsistenten Zustand. Dann helfen häufig nacheinander folgende Befehle, auch wenn Fehlermeldungen erscheinen:
sudo apt purge chromium
sudo apt autoremove --purge
sudo apt install chromium
sudo apt reinstall chromium
Angenommen, sie haben einen Abhängigkeitsfehler (falsche Version) in den Paketen:
Schalten Sie PPAs, Fremdquellen und weitere zusätzliche Softwarequellen aus. (
/etc/apt/sources.listund/etc/apt/sources.list.d/, oder am besten über grafisch Programme)sudo apt updatesudo apt dist-upgradeVersuchen Sie störende Pakete, die eine ungültige Version anfordern, zu entfernen
sudo apt updatesudo apt dist-upgradeSchalten Sie nach und nach die benötigten Fremdquellen und PPAs zu, die wirklich nötig sind und führen Sie nach jedem Schritt
sudo apt updateundsudo apt dist-upgradeaus.
System fährt nicht mehr hoch
Folgende Checkliste kann helfen:
Funktioniert Grub? -> Ansonsten Bootloader neu installieren (Siehe Kapitel Installation)
Funktioniert ein anderer Linux-Kernel? (im GRUB wählbar) -> Wenn ja, den anderen neu installierne oder entfernen.
- Funktioniert der Recovery Modus? -> Ansonsten Timeshift-Wiederherstellung starten, wenn vorhanden
- Wennn der Recovery-Modus funktioniert:
fsck ausprobieren
auf vollen Festplattenplatz überprüfen
Werden alle Festplatten erkannt? Sind alle Festplatten lauffähig?
- Funktioniert das System bei der Installation aber fährt danach nicht mehr richtig hoch?
-> Versuchen im Compatiblity Mode zu starten und dann updates zu machen, sowie Treiber zu installieren - Kernel Parameter nomodeset?
Wenn alle Punkte zuvor ausgeschlossen werden konnten, hilft es häufig nach dem auf dem Bildschirm angezeigten Fehler im Internet zu suchen.
Kommt man nach einer Stunde nicht weiter? -> Neuinstallation häufig dann der schnellere Weg.
Debugging im laufenden System
Sollte ein Service oder das Bebtriebssystem nicht mehr einwandfrei funktionieren, hilft es, mit dem Befehl
journalctlauf Spurensuche zu gehen.Auch hilft es mit
systemctl statusden entsprechenden Service nachzusehen.Manchmal hilft eine Neuinstallation des betreffenden Paketes. Gerne mal mit
apt purge paketname(löscht alle Konfigurationsdateien des Pakets) versuchen.Werden Geräte nicht erkannt, können Sie mit
lspcsioderlsusbweiter untersucht werden.
Notfallsystem
Sollte mal gar nicht’s funktionieren und die Neuinstallation im Raum stehen, sollten hierfür alle wichtigen Daten gesichert werden.
Tatsächlich hat sich dafür die Linux Mint .iso Datei in den letzten Jahren sehr bewährt.
Gparted, Laufwerke (Gnome-Disks), Timeshift und sogar Boot-Repair sind direkt verfügbar.
Ebenfalls bietet der Linux-Mint USB-Stick auch inoffiziell schreibbaren Speicher unter /var/log.
Ein ebenfalls sehr interessantes Notfallsystem ist rescatux.org oder das alt bewährte Knoppix.